m4music – Dead Bunny

«Der musikalische Output muss stimmen»

Magazin, 5. April 2011, Interview: Simon Spiegel

Strahlender Sieger der diesjährigen Demotape Clinic am m4music-Festival war die Rockband Dead Bunny. Das Berner Trio gewann in der Sparte Rock und wurde zudem mit dem vom Migros-Kulturprozent und der SUISA-Stiftung für Musik verliehenen Hauptpreis «Demo of the Year 2011» ausgezeichnet. Dead Bunny, das sind Thomas Schmidiger (Gesang und Gitarre), Beni Bucher (Schlagzeug) und Fabian Lötscher (Bass). Im Interview sprechen zwei Drittel der Band über ihre Herkunft, ihre Pläne und die Rückkehr der LP.

Klären wir zu Beginn gleich mal die geographische Verwirrung – seid Ihr eine Luzerner oder eine Berner Band?
Schmidiger: Mittlerweile kann man uns wohl schon als Berner Band bezeichnen. Fabian Lötscher und ich haben Luzerner Wurzeln, aber wir leben nun schon seit acht Jahren in Bern.
Bucher: Ich bin dagegen in Bern aufgewachsen.

Ihr macht beide schon lange Musik. Gab es denn ein entscheidendes Erlebnis, das Euch zur Musik gebracht hat?
Bucher: Ich war da vier oder fünf Jahre alt. Meine Eltern an einem Sonntag mit mir in den Kornhauskeller und da hat ein Solo-Schlagzeuger gespielt. Das hat mich sehr beeindruckt. Danach wollte ich unbedingt Schlagzeug lernen. Meine Eltern begleiteten mich dann auch ans Konsi, aber für Schlagzeug war ich damals noch zu jung. Deshalb habe ich zuerst Klavier gespielt und erst später mit dem Schlagzeug begonnen.
Schmidiger: Mich haben meine Eltern ebenfalls zuerst in den Klavierunterricht geschickt, mit 14 hat mich dann aber die Gitarre richtig gepackt. Ich habe noch immer den Queen-Gitarren-Sound im Ohr, der mich damals total begeistert hat. Das war aber eine ziemlich autodidaktische Sache, da es damals gar keinen entsprechenden Unterricht gab. Der Besitzer eines Heavy-Metal-Ladens hatte dann Mitleid mit mir und konnte mir die Basics beibringen – damals waren auch meine Haare noch etwas länger. (lacht).

Wie lange spielt Ihr schon zusammen?
Bucher: Schon seit drei Jahren. Aber wir sind nie an die Öffentlichkeit getreten. Vergangenen November haben wir dann unsere Website aufgeschaltet. Unsere Teilnahme an der Demotape Clinic gehört da gewissermassen auch dazu: Wir wollen die Vielfalt der Kanäle nutzen, um unsere Musik zu vertreiben.
Schmidiger: Es hat ein bisschen gedauert, bis wir zusammen gefunden haben. Fabian und ich sind früher gemeinsam mit Soundscape in Luzern aufgetreten. Wir waren dann später nur zu zweit, dann kam ein anderer Schlagzeuger hinzu, mit dem es aber nicht geklappt hat. Zwischendurch hatten wir auch einen Sänger aus Luzern. Der passte aber ebenfalls nicht, und deshalb begann ich zu singen. Das war eigentlich eine Notlösung.
Bucher: Ich war früher bei den Go Go Ghouls und bin durch Zufall dazu gekommen. Fabian hat mit einem Freund von mir zusammengewohnt. So habe ich gehört, dass sie einen Schlagzeuger suchen, und dann hat es ziemlich schnell gefunkt.

Wer schreibt bei Euch die Songs?
Schmidiger: Vorwiegend Fabian und ich. Meistens kommt einer von uns beiden mit einer Idee und die andere Hälfte entsteht anschliessend beim Spielen. Wir jammen aber auch viel zusammen, nehmen das auf und schneiden die interessanten Schnipsel heraus. Das Arrangement machen wir dann meist zu dritt.

Euer erstes Album ist bereits fertig, die Plattentaufe steht kurz bevor, Eure Website sieht ebenfalls sehr professionell aus. Habt Ihr denn bereits einen Vertrag?
Schmidiger: Nein, wir haben alles selber gemacht. Ich bin Informatiker und arbeite auch in einem Tonstudio. Da fällt schon mal vieles weg.
Bucher: Das Artwork ist von einer Bekannten von uns, die ebenfalls ehrenamtlich gearbeitet hat. Dank des Preisgeldes können wir sie nun endlich bezahlen.
Schmidiger: Eigentlich ist das Album ohne Plan entstanden. Wir haben mal drei Songs aufgenommen und ein Jahr später noch einmal drei. Dann haben wir eine ganze Weile lang abgemischt, und schliesslich überraschte uns das Resultat selber, so dass wir uns entschlossen, gleich eine LP daraus zu machen.

Die Musikindustrie klagt ja nach wie vor darüber, dass sie durch Tauschbörsen auf dem Internet viel Geld verliert. Wenn man sich auf Eurer Website anmeldet, kann man aber gratis Songs herunterladen. Warum das?
Schmidiger: Das war ein sehr bewusster Entscheid. Digitale Tonträger haben extrem an Wert verloren. Man kann ja von jeder Band das neuste Album über Peer-to-Peer-Netzwerke runterladen und selber brennen oder auf den iPod kopieren. Ironischerweise sind deshalb analoge Medien wie die Vinyl-LP wieder attraktiv geworden, da sie im Gegensatz zu digitalen Medien eine materielle Exklusivität aufweisen. Die Musikindustrie hat diesen Trendwechsel sträflich verschlafen.
Bucher: Wer sich für unsere Art von Musik interessiert, hat meistens auch gerne LPs. Deshalb gibt es unser erstes Album auch auf Vinyl.
Schmidiger: In unserer Generation und vor allem in der Alternative-Sparte ist die LP wieder am Kommen, und das nicht erst seit gestern. Überspitzt gesagt, ist es dabei sogar nicht mal wichtig, ob man tatsächlich einen Plattenspieler hat. Mit der grossformatigen Schallplatte hat man per se ein attraktives Artwork in der Hand; die zunehmende Flüchtigkeit der Medien scheint das Bedürfnis nach solchen handfesten Tonträgern zu verstärken.

Das Arrangieren und Produzieren am Computer ist bei Euch offensichtlich wichtig, wie steht es denn mit Live-Auftritten?
Bucher: Wir sehen uns schon als Live-Band. Wir haben zwar noch nicht so viel gespielt, aber das kommt jetzt. Der Gewinn der Demotape Clinic und auch des Gurten-Live-Contests bieten uns eine günstige Ausgangslage, um Konzerte an Land zu ziehen; das schlägt sich bereits jetzt in Konzertanfragen von nicht unbekannten Lokalen und Festivals nieder.
Schmidiger: Wir hatten bis jetzt zwei richtige Konzerte. Wir haben uns da sehr wohl gefühlt und waren gut eingespielt. Das intensive Proben hat sich offensichtlich ausbezahlt. Das Zusammenspiel ist eine unserer wichtigsten Grundlagen; wir sind keine Studio- oder Projektband.

Welche Ziele habt Ihr als Band? Wo möchtet Ihr in fünf Jahren stehen? Möchtet Ihr dann von der Musik leben können?
Bucher: Ich hoffe, es gibt uns dann noch und wir können viele Konzerte spielen.
Schmidiger: Unser primäres Ziel ist es, genug Zeit für die Musik zu haben und eine respektable Live-Band zu werden. In der Schweiz ausschliesslich von der Musik leben zu können, ist – wie überall und wie in allen kreativen Betätigungsfeldern – nicht einfach. Ich arbeite jetzt Teilzeit und kann mich so gut einrichten. Den Anspruch, nur von der Musik leben zu können, haben wir nicht. Der musikalische Output muss einfach stimmen, dabei kann eine aussermusikalische Beschäftigung auch bereichernd wirken.

Zum Schluss: Drei Alben, die man haben muss.
Bucher: «Brothers» von Black Keys, «Welcome to Sky Valley» von Kyuss, «In Utero» von Nirvana.
Schmidiger: «Kid A» von Radiohead, «Greatest Hits I» von Queen, «Anna Calvi» von Anna Calvi.

Dead Bunny auf der Talentplattform des Migros-Kulturprozent
www.deadbunny.ch
www. m4music.ch
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