Ein Drehbuchautor mit Humor: Patrick Karpiczenko

Talent des Monats Februar

Die Liebe fürs Absurde

Magazin, 1. Februar 2012, Simon Spiegel

Die Namen von Drehbuchautoren sind der breiten Öffentlichkeit nur in Ausnahmefällen bekannt. Patrick Karpiczenko stört das nicht. Der Co-Autor des vom Migros-Kulturprozent geförderten Spielfilmprojekts «Max & Moritz» ist mit seiner Rolle vielmehr ganz zufrieden.

Viele angehende Filmemacher haben das gleiche Ziel: Bei einem Spielfilm Regie führen, bei einem Kinofilm, um genau zu sein. Patrick Karpiczenko sieht das anders. Zwar hat er auch schon Regie geführt und mag die Arbeit mit den Schauspielern. Insgesamt reizt ihn das Script aber mehr. Am liebsten würde er seine Drehbücher einfach einem fähigen Regisseur übergeben, bei dem er sicher sein kann, dass seine Geschichte in guten Händen ist. – Warum diese Vorliebe fürs Schreiben? «Ich mag Menschen nicht und sitze gerne alleine zu Hause», erklärt der 25-Jährige grinsend und liefert damit bereits eine erste Kostprobe seines trockenen Humors. Was ihn am Beruf des Regisseurs abschreckt, ist die Vorbereitungsphase: Wenn um hunderttausend Dinge gestritten werden muss – vor allem natürlich um Geld. «Die Vorproduktion ist die Hölle», meint Karpiczenko, und die würde er gerne vermeiden.

Den Entscheid für den Film fällte Karpiczenko relativ unvermittelt, als er mitten in den Maturaprüfungen steckte. «Ursprünglich wollte ich Gamedesigner werden, aber dann dachte ich, dass das in der Schweiz eine brotlose Sache ist. Also habe ich mich für einen sicheren Wert entschieden». Und wieder dieses Lachen über den gelungene Scherz. Denn wer in der Schweiz ein sicheres Auskommen will, schlägt auf jeden Fall keine Filmkarriere ein. Allerdings klappt es bei Karpiczenko momentan ganz gut: Seit er seine Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste 2008 beendet hat, kann er von der Filmerei leben. Vor allem dank Werbefilmen.

Gefragter Co-Autor
Werbung macht ihm zwar auch Spass, doch Spielfilme sind natürlicher interessanter. Derzeit ist Karpiczenko an zwei Projekten beteiligt, die jeweils in ganz unterschiedlichen Phasen stehen. Der Fernsehfilm «Liebe und andere Unfälle» von Thomas Gerber feierte an den Solothurner Filmtagen seine Premiere. Karpiczenko stiess relativ spät mit dem Auftrag dazu, das Drehbuch lustiger zu machen. Allerdings gab es klare Bedingungen: Da das Projekt schon relativ weit fortgeschritten war, waren Schauspieler und Drehorte bereits bestimmt. Der andere Spiefilm ist hingegen noch in einer sehr frühen Phase: Es geht um eine moderne Version von «Max & Moritz». Auch zu diesem Projekt, das von der Ideenförderung des Migros-Kulturprozent unterstützt wird, kam Karpiczenko nachträglich hinzu. Peter Luisi, dessen Film «Der Sandmann» vergangenes Jahr sehr erfolgreich in der Schweiz und in Deutschland lief, heuerte Karpiczenko als Co-Autor an.

Autorenduos sind im Film zwar nichts Ungewöhnlich, dennoch die Frage: Wie schreibt man gemeinsam an einem Drehbuch. «Es muss auf der zwischenmenschlichen Ebene funktionieren, sonst geht's nicht», ist Karpiczenko überzeugt. Alleine schreiben sei zwar furchtbar, zu zweit würde es aber nicht besser. Als Zweitautor sei er zudem immer ein bisschen in einem Clinch: «Wessen Ideen zählen nun mehr? Meine oder die des Erstautors». Zwar sei gerade im Falle von «Max & Moritz», wo Luisi als Autor und Regisseur fungiert, klar, wer am Ende das Sagen hat, aber schliesslich sei er ja engagiert worden, um seine Ideen einzubringen. Wichtig sei vor allem, dass man Kommunikationsprobleme schnell überwindet. «Man muss rausfinden, wie man mit den Ideen des anderen umgeht und wie man seine eigenen verteidigt. Man muss den anderen spüren». Viel laufe über den Humor: «Bei beiden Filmen war die Zusammenarbeit auch ein bisschen eine Bubengeschichte. Wir haben haufenweise dumme Sprüche gemacht, und ab und zu war da etwas Brauchbares dabei».

Eine Männerfreundschaft
Um eine Bubengeschichte geht es auch bei «Max & Moritz». Allzu viel will der Autor zwar noch nicht preis geben, aber so viel sei verraten: Im Film wurden die beiden Lausejungen nach ihrem letzten Streich nicht zu Körnern zermahlen; stattdessen sind sie erwachsen geworden und haben sich aus den Augen verloren. Zu Beginn des Films sind sie schon Anfang 40, kommen aber beide nicht mit dem Leben zurecht. «Es ist eine Geschichte über eine Männerfreundschaft. Beide sind nicht ganz komplett ohne den anderen», erklärt Karpiczenko. Und dann gibt es noch Kurt, den dritten Lausbub, den Wilhelm Busch seinerzeit einfach unterschlagen hat.

Der Film soll witzig und ein bisschen schräg werden. Überhaupt liebt Karpiczenko das Absurde. Gerne würde er mal einen Science-Fiction-Film schreiben; allerdings nicht über Raumschlachten in fernen Galaxien, sondern eine Geschichte, die möglichst nahe an der Gegenwart ist, bei der eine kleine entscheidende Änderung für surreale Momente sorgt. Nicht umsonst gehören Philip K. Dick und Kurt Vonnegut zu Karpiczenkos Lieblingsautoren. Generell nach Vorbildern gefragt kommt Karpiczenko kurz ins Stocken: Charlie Kaufman, von dem unter anderem die Drehbücher zu «Being John Malkovich» und «Eternal Sunshine of the Spotless Mind» stammen, ist sicher eine Referenz. Ansonsten nennt er mehrere amerikanische Stand-up-Comedians. Und schliesslich die vollkommen unerwartete Antwort, auf die Frage, was er denn in Zukunft machen wolle: Fernsehsendungen. «Sitcoms, Sketchshows, Serien – das ist mein Ziel». Es muss eben nicht immer ein Kinofilm sein.

Talente entdecken: Patrick Karpiczenko
www.karpi.ch

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