Freiwillige Aufgabenhilfe in Schulen würde Kinder besser integrieren.

contakt-citoyenneté

«Wirkung im Kleinen, die gross ausstrahlt»

Magazin, 7. Dezember 2011, Mathias Haehl

Erstmals lanciert das Migros-Kulturprozent zusammen mit dem Bund ein gemeinsames Förderprogramm: contakt-citoyenneté. «Wir wollen freiwilliges Engagement im Themenfeld Integration und Migration fördern. Dafür suchen wir Ideen und Taten, die interkulturelles Zusammenleben von hoher Qualität schaffen», sagt Luzia Kurmann, zuständige Projektleiterin. Unterstützt werden vielfältige Projektideen mit finanziellen Mitteln sowie fachlicher Beratung und Begleitung. Die Ideen können bis zum 15. März auf www.contakt-citoyennete.ch eingereicht werden.

Das Migros-Kulturprozent geht als privater Förderer mit dem Bund eine Kooperation ein. Gemeinsam lancieren sie das Förderprogramm contakt-citoyenneté. Luzia Kurmann, Projektleiterin Migration/Integration beim Migros-Kulturprozent sieht in dieser «private-public-partnership» die Chance, Synergien zu nutzen und der Integrationskultur in der Schweiz neue Impulse zu geben. Im Ausland gibt es kein vergleichbares Programm - die Migros geht mit ihrem Kulturprozent-Engagement Pionierwege.

Kurmann freut sich, dass diese Kooperation so gut gelingt: «Durch die unterschiedlichen Erfahrungen und Zugänge ins integrationspolitische Feld ergänzen wir uns optimal.» Die Involvierten des Migros-Kulturprozent bringen langjährige Erfahrung im Themenfeld Migration/Integration mit – dank den vielen conTAKT-Projekten, die sie mit Migrantinnen und Migranten wie auch Schweizerinnen und Schweizern bereits realisiert haben. Die Projektleiterin sagt: «In der Arbeit mit der Bevölkerung haben wir erfahren, was es braucht, damit freiwilliges Engagement Früchte trägt.»

Bewährtes soll sich multiplizieren
Das neue Förderprogramm ist so gestaltet, dass es in den Gemeinden eine optimale Wirkung entfaltet. Der Bund stellt nicht nur finanzielle Mittel bereit, sondern auch ein solides und breit gefächertes Netzwerk. «Mit den kantonalen und kommunalen Fachstellen für Integration ist in den letzten Jahren ein tragfähiges Netz für professionelle Integrationsarbeit entstanden. Das nutzen wir jetzt für contakt-citoyenneté», erklärt Kurmann. Das Förderprogramm schafft Anreize für engagierte Personen mit und ohne Migrationshintergrund, Aufgaben im Feld der Integration zu übernehmen und einen wechselseitigen Integrationsprozess in Gang zu setzen.

Da contakt-citoyenneté weit über eine finanzielle Förderung hinausgeht, kommt den Kompetenzzentren für Integration in den verschiedenen Schweizer Kantonen eine Schlüsselrolle zu. Sie können in der Anfangsphase die Bevölkerung vor Ort motivieren oder mit interessierten Gruppen Projektideen entwickeln. Wenn dann im Juni 2012 eine siebenköpfige Jury die Projekte prämiert und auswählt, unterstützen die Kompetenzzentren die Projektgruppen bei der Umsetzung ihrer Ideen. «Damit entstehen Netzwerke für spätere Projekte. Deshalb ist wohl auch das Programm bei den Kompetenzzentren Integration auf grosse Begeisterung gestossen», sagt Luzia Kurmann, Projektleiterin Migration/Integration.

«Bibliotheken sind Schmelztiegel des Sozialen»
Bei den Projektideen kann es sich um Angebote für Kinder, ältere Menschen, Jugendliche, Mütter oder Familien handeln. Die Projekte können für ein Quartier, eine Gemeinde, eine Region oder einen Kanton entwickelt werden. Wie könnte ein ideales Angebot aussehen? Kurmann nennt ein Beispiel: «Jede Gemeindebibliothek müsste doch auch ein interkulturelles Angebot aufweisen.» Doch das sei vor allem in ländlicheren Regionen selten der Fall, obschon man wisse, wie integrierend Bibliotheken seien. Viele Migrantinnen und Migranten würden sich dort treffen und austauschen. «Bibliotheken sind Schmelztiegel des Sozialen.»

Ein anderes Beispiel für die angestrebte interkulturelle Unterstützung wäre die freiwillige Aufgabenhilfe. «Für viele Migrantinnen und Migranten ist unser Schulsystem vorab ein grosses Rätsel», erklärt Kurmann. So liesse sich durch die Unterstützung der Kinder die Integration ganzer Familien fördern – und damit könnten auch Vorurteile abgebaut werden. Wichtig ist der Projektleiterin dabei die Teamarbeit. Und Kurmann nennt weitere Ideen, die sie mit der Eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen EKM gerne unterstützen würde: «Femmes-Tische», bei denen sich Frauen austauschen; Mittagstische auf dem Land, wo keine Tagesschulen existierten; Einkaufsbegleitung oder Spielnachmittage für ältere Menschen oder eine Austausch-Börse für Dienstleistungen. «Man muss bei den Projekten gar nicht so weit suchen!»

Projketideen einreichen bis 15. März 2012
Luzia Kurmann ist froh, solche Nischenprojekte schaffen zu können. «Wir generieren eine Wirkung im Kleinen, die dann gross ausstrahlt.» Bis zum 15. März 2012 können Projektideen auf der Programm-Website www.contakt-citoyennete.ch eingereicht werden. Insgesamt stehen Fördergelder von 320 000 Franken zur Verfügung, zu gleichen Teilen finanziert von Migros-Kulturprozent und der EKM. Die Projektteams werden bei der Umsetzung fachlich von den Kompetenzzentren Integration in den Kantonen, Regionen und Gemeinden beraten und begleitet. Kurmann ist überzeugt, dass das neue Projekt grossen Zulauf haben wird: «Mit contakt-citoyenneté sind wir bei den Leuten! Wir freuen uns auf all die kreativen Projektideen, die bislang mangels Geld oder fehlendem Know-how nicht in die Tat umgesetzt werden konnten.»

www.contakt-citoyennete.ch
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