300’000 Franken für die Bühne

m2act: neues Förder- und Netzwerkprojekt für die Darstellenden Künste

m2act, das neue Förder- und Netzwerkprojekt des Migros-Kulturprozent für die Darstellenden Künste, vergibt zum ersten Mal Förderbeiträge. Mit insgesamt 300’000 Franken werden neun kulturelle Projekte unterstützt, die gesellschaftlich relevante Themen wie Feminismus, Klimawandel und Rassismus aufgreifen. Der 2. Call for proposals läuft jetzt bis zum 18. März 2021.

Neun Projekte im Bereich Darstellende Künste (Theater, Tanz, Kleinkunst und Performance) erhalten durch m2act Förderbeiträge von insgesamt 300’000 Franken. Alle von m2act unterstützten Vorhaben werden von Kulturschaffenden gemeinsam und gleichberechtigt mit Spezialist*innen aus den Bereichen Soziales, Wirtschaft, Gesellschaft, Forschung, Wissenschaft und/oder Politik entwickelt und realisiert. Die geförderten Projekte setzen sich auf vielfältige Weise mit gesellschaftlicher Veränderung auseinander. Aktuelle Themen wie Feminismus, Klimawandel und Rassismus prägen die Vorhaben und bringen neue Arbeitsweisen und Aufführungspraktiken hervor. Mehr Informationen zu den geförderten Projekten finden sich im Anhang dieser Medienmitteilung und auf der Website. 2021 können wieder Projekte eingereicht werden. Der aktuelle Call for proposals läuft derzeit bis zum 18. März 2021.

Mit dem neu lancierten Projekt m2act geht das Migros-Kulturprozent einen neuen Weg in der Förderung der Darstellenden Künste. Im Vordergrund stehen neben der Entwicklung und der Umsetzung von bereichsverbindenden Projekten auch die Förderung fairer und nachhaltiger Arbeitsprozesse sowie die Stärkung des Netzwerks und des Austauschs in den Darstellenden Künsten. Damit reagiert das Migros-Kulturprozent auf aktuelle Bedürfnisse nach Veränderungen in der Szene: Theaterschaffende wollen fairer, umweltbewusster und vernetzter tätig sein und ihr Publikum mehr einbeziehen. Die COVID-Krise stellt Arbeits- und Produktionsverhältnisse in den Darstellenden Künsten zusätzlich von Grund auf infrage und verstärkt die Dringlichkeit der unterstützten Vorhaben.

Die geförderten Projekte wurden durch ein zehnköpfiges Auswahlgremium (fünf externe Expert*innen und das m2act Team) ausgewählt:

  • Pascale Altenburger, Choreografin und Tänzerin, Bern
  • Mathieu Bertholet, Direktor Théâtre Poche, Genf
  • Regula Schröter, Dramaturgin, Bremen
  • Moritz von Rappard, Projektentwickler und Vermittler, Berlin
  • Marjolaine Minot, Comédienne, compagnie Marjolaine Minot, Fribourg
  • Samira Lütscher, Projektleiterin Engagement Migros
  • Mathias Bremgartner, Leitung m2act
  • Béatrice Schmidt, Programm und Organisation m2act
  • Urs Küenzi, Leitung Förderung m2act
  • Saima Sägesser, Praktikantin Theater Migros-Kulturprozent

Infobox «m2act»

m2act fördert kulturelle Ko-Kreation, unterstützt offenen Wissenstransfer, engagiert sich für faire Praxis und setzt sich ein für nachhaltige Strukturen in den Darstellenden Künsten. Mit Förderbeiträgen werden Vorhaben unterstützt, die von Kulturschaffenden gemeinsam und gleichberechtigt mit Spezialist*innen aus anderen Bereichen entwickelt und umgesetzt werden. Eine mehrtägige m2act-Veranstaltung einmal im Jahr und zahlreiche Partnerveranstaltungen fördern und stärken den Austausch in den Darstellenden Künsten. Erkenntnisse, Einblicke und praxisnahe Tipps aus den Veranstaltungen und den geförderten Projekten stehen allen Interessierten in der digitalen Toolbox von m2act zur Verfügung.

https://www.m2act.ch/

Auskünfte an Medienschaffende:

Patrick Ilg, Kommunikationsberater Bereich Kultur, Direktion Kultur und Soziales, Migros-Genossenschafts-Bund, Zürich, Telefon 058 570 30 38, patrick.ilg@mgb.ch

Download Medieninformationen:

Medienmitteilung vom 8.2.2021 – 300’000 Franken für die Bühne

Das Migros-Kulturprozent ist ein freiwilliges, in den Statuten verankertes Engagement der Migros für Kultur, Gesellschaft, Bildung, Freizeit und Wirtschaft. www.migros-kulturprozent.ch

Die geförderten Projekte

Blackbox
Das von experi_theater initiierte Projekt «Blackbox» kreiert einen performativen Black*BIPOC/s space, der verborgene Schwarze Geschichten und Ästhetiken sichtbar und möglich macht. Blackbox ist ein Künstler*innen-Kollektiv und zugleich ein 3m3 grosser Kubus, der historische Materialien über Sklaverei, Kolonialismus, Migration und Rassismus enthält. Er gibt Raum für Werke, Performances und Diskussionen von Black*BIPOC-Künstler*innen, Aktivist*innen, Forschenden und Publikum.

  • experi_theater, Zürich

Décentrer les pratiques et les postures: une recherche sur la blanchité à l’œuvre dans la création culturelle romande
Das Rechercheprojekt untersucht «la blanchité» beziehungsweise das Weiss-Sein im Kulturschaffen in der Romandie. Das Théâtre de l’Usine (TU) in Genf führt Interviews mit People of Colour aus der lokalen Kulturszene, die systematischen Rassismus erleben und deren Erfahrungen, Perspektiven und Geschichten abwesend sind, abgelehnt oder schlicht vergessen werden. Aus den Gesprächen trägt das TU konkrete antirassistische und dekoloniale Arbeitsweisen und Kommunikationsformen zu einer Publikation über faire Praxis in der Kulturszene zusammen.

  • Théâtre de l’Usine, Genf: Léa Genoud, Kayije Kagame, Hélène Mateev, Ramaya Tegegne, Fatima Wegmann u. a.

home made climate conference
Aus einer Basler Privatwohnung heraus erarbeitet GASTSTUBE° ein theatrales Forum, um mit dem Publikum zu erforschen, wie wir praktisch, sozial und emotional mit dem Leben in der Klimakrise umgehen. An der «home made climate conference» werden gemeinsam und öffentlich unsere «hausgemachte ökologische Performance» sowie ihre Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem durchleuchtet.

  • GASTSTUBE°, Basel: Beatrice Fleischlin, Nicolas Galeazzi, Andreas Liebmann, Martin Gantenbein, Elena Conradt

Kit de Survie en territoire masculiniste
Im feministischen Kampf gegen Gewalt an Frauen wechselt Pintozor Production die Perspektive und nimmt diejenige eines Antagonisten ein, verkörpert durch einen Incel («involuntary celibates» sind unfreiwillig als Single lebende junge Männer). Auf einem Audiowalk durch die Stadt versetzt sich das Publikum in den Incel hinein und folgt einer Performerin durch die Strassen. «Kit de Survie en territoire masculiniste» untersucht Überlebensstrategien für Frauen in diesem von Männern geplanten und gebauten Raum. Jedem Mitglied des Publikums wird für den geführten Rundgang ein persönliches Überlebenskit ausgehändigt.

  • Pintozor Production, Bussigny: Marion Thomas, Maxine Reys, Audrey Bersier, Carla Jaboyedoff

KlimaKontor Basel
Als mobiles Veranstaltungsbüro vernetzt das KlimaKontor Basel Basler Kulturschaffende, Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen, Institutionen und Unternehmen sowie Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft in gemeinsamen künstlerischen Projekten rund um das Klima. Von Januar bis Dezember 2021 kuratiert das KlimaKontor in Zusammenarbeit mit dem Theater Basel, der Kaserne Basel und weiteren Partnerinstitutionen vier disziplinenverbindende, partizipative Veranstaltungscluster.

  • KlimaKontor Basel: Barbara Ellenberger, Luzia Schelling, Anne Schöfe, Elena Conradt, Bernhard la Dous

Schwar zenbach Kompl ex – eine andere Zukunft erinnern
Das transdisziplinäre Kollektiv [ké*sarà] organisiert regelmässige öffentliche Erinnerungswerkstätten zur Aufarbeitung des rassistischen Schweizer Gastarbeiterregimes der 60er- bis 80er-Jahre. Zeitzeug*innen, Alltagsexpert*innen, Aktivist*innen, Kulturschaffende und Forschende arbeiten darin gemeinsam an einer vielstimmigen und rassismuskritischen Erinnerungspolitik und -praxis. Daraus entstehen ein alternatives Archiv und öffentliche Räume für die gesellschaftliche Notwendigkeit zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit.

  • [ké*sarà], Zürich: Rohit Jain, Paola De Martin, Tim Zulauf

This is not theatre, this is a f*** protest!
Carrie Shelver und Antje Schupp führen in «This is not theatre, this is a f*** protest!» ihr Wissen als kreative politische Aktivistin und politische Kreativschaffende zusammen, um Protest zu inszenieren und Proteststrategien in die Kunst einfliessen zu lassen. Was für ein Ereignis entsteht, wenn sich die Grenzen zwischen Performance und Aktivismus verwischen, das Publikum zu Teilnehmer*innen wird und sich die Show in einen Workshop verwandelt?

  • Antje Schupp, Carrie Shelver, Christoph Rufer, Basel

Wallmapu ex situ
Das Performance-Kollektiv Trop cher to share schafft mit «Wallmapu ex situ» eine Serie digitaler Konferenzen mit Expert*innen zur Region und Geschichte des Mapuche-Territoriums Wallmapu in Chile. Im virtuellen Raum wird darüber spekuliert, wie menschliche und nichtmenschliche Bewohner*innen und Akteur*innen dieser Gegend repräsentiert werden und wie sie miteinander in Dialog treten könnten.

  • Trop cher to share, Bern und Zürich: Nina Willimann, Aldir Polymeris, José Cáceres Mardones, Mara Meier, Paula Baeza Pailamilla, Johanna Hilari u. a.

Aus inhaltlichen Gründen kann das neunte geförderte Vorhaben erst zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich kommuniziert werden.