JAHRESPROGRAMM 2019

Wir freuen uns, Ihnen unser Ausstellungsprogramm für das kommende Jahr zu präsentieren. 2019 zeigt das Migros Museum für Gegenwartskunst zwei Einzel- sowie zwei Gruppenausstellungen. Einerseits zeigt das Museum die Übersichtsausstellungen des britischen Künstlers Stephen Willats (*1943 in London) und der holländischen Künstlerin Lily van der Stokker (*1954 in Den Bosch), andererseits die Gruppenausstellungen Producing Futures – An Exhibition on Post-Cyber-Feminisms und United by AIDS – An Exhibition about Loss, Remembrance, Activism and Art in Response to HIV/AIDS. In allen Ausstellungen sind jeweils auch Werke aus der Museumssammlung integriert.


Producing Futures – An Exhibition on Post-Cyber-Feminisms

16. Februar – 12. Mai 2019
Eröffnung: Freitag, 15. Februar 2019

Stephen Willats: Languages of Dissent

25. Mai – 18. August 2019
Eröffnung: Freitag, 24. Mai 2019

United by AIDS – An Exhibition about Loss, Remembrance, Activism and Art in Response to HIV/AIDS

31. August – 10. November 2019
Eröffnung: Freitag, 30. August 2019

Lily van der Stokker

30. November 2019 – 23. Februar 2020
Eröffnung: Freitag, 29. November 2019


Producing Futures – An Exhibition on Post-Cyber-Feminisms

16. Februar – 12. Mai 2019
Eröffnung: Freitag, 15. Februar 2019

Mit der Gruppenausstellung Producing Futures – An Exhibition on Post-Cyber-Feminisms widmet sich das Migros Museum für Gegenwartskunst den feministischen Anliegen der Post-Internet-Ära. Heute sind das virtuelle und das reale Leben beinahe untrennbar miteinander verbunden. Anders als von den Cyber-Feministinnen in den 1990er Jahren proklamiert, hat sich der Cyberspace jedoch nicht nur als Ort der Befreiung und Ermächtigung etabliert, sondern im gleichen Zuge auch bestehende Hierar- chien und Machtstrukturen verstärkt. Mit einer Arbeit des Künstlerkollektivs VNS Matrix, welches den Begriff «Cyber-Feminismus» prägte, nimmt die Ausstellung die historischen Ansprüche und Visionen des Cyber-Feminismus als Ausgangspunkt, um sie mit der aktuellen Situation in Beziehung zu setzen und zu fragen, ob die Ideen nach wie vor produktiv sein können. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht so die Auseinandersetzung mit verschiedenen feministischen Ansätzen, die sich auf die Spannung zwischen Körper und Technik und diskriminierenden Geschlechternormen konzentrieren. Die Künstler*innen in der Ausstellung reflektieren und verfremden das Angebot verschiedenster Online-Plattformen, um so die Grenzen zwischen virtuell und real, online und offline sowie zwischen den Geschlechtern weiter zu verwischen. Viele der Arbeiten verfolgen dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der unter anderem die (Medizin-)Wissenschaft und das Okkulte in die Diskussion miteinbezieht, um eine lebenswerte Zukunft zu entwerfen, die durch Emanzipation, Geschlechtergerechtigkeit und sozialer Gleichheit charakterisiert ist.

Die von Heike Munder (Leiterin Migros Museum für Gegenwartskunst) kuratierte Ausstellung zeigt Werke von Cao Fei, Cécile B. Evans, Lynn Hershman Leeson, Juliana Huxtable, Guan Xiao, Mary Maggic, Shana Moulton, Tabita Rezaire, Gavin Rayna Russom, Frances Stark, Wu Tsang, Anna Uddenberg, VNS Matrix und Anicka Yi. Begleitend zur Ausstellung erscheint im Frühjahr 2019 eine Publikation mit Texten von Joanna Walsh, Yvonne Volkart, Paul B. Preciado, Heike Munder und Elsa Himmer.


Stephen Willats: Languages of Dissent

25. Mai – 18. August 2019
Eröffnung: Freitag, 24. Mai 2019

In einer gross angelegten Ausstellung zeigt das Migros Museum für Gegenwartskunst das Werk des britischen Konzeptkünstlers Stephen Willats (*1943 in London). Ausgehend von seiner Auseinandersetzung mit architektonischen Gegebenheiten, vor allem von Sozialbauten, hinterfragt er die daraus resultierenden gesellschaftlichen Normen und Uniformitäten, in die sich der Einzelne einzupassen hat. Das Moment der Verweigerung innerhalb dieser regulierten Umgebungen interessiert Willats im Besonderen, denn so zeigen sich Individualität und das Selbst. Disziplinen wie die Verhaltensforschung, Soziologie und Systemtheorie bieten ihm den entsprechenden Zugang, um diesen Widerständen nachzuspüren. Die Ausstellung orientiert sich an zwei thematischen Schwerpunkten, anhand deren Willats‘ Schaffen von den 1960er Jahren bis heute dem Publikum präsentiert wird. Zum einen liegt der Fokus auf seiner Beschäftigung mit der Kybernetik, der Regelung und Steuerung dynamischer Systeme. Sie ermöglicht es Willats, Kommunikationsstrukturen und Beziehungen in der Gesellschaft zu formulieren, aber auch auf die Struktur tatsächlicher gesellschaftlicher Realitäten Einfluss zu nehmen. So dient ihm die Kybernetik als Methode, ästhetisches Vokabular und formales Modell zugleich. Zum anderen steht Willats spezifisches Interesse an Subkulturen, die Nonkonformismus und Selbstbestimmung manifestieren, im Fokus. Angefangen mit der Punk-Szene Londons, weitete sich diese Auseinandersetzung unter anderem auf die experimentelle und polysexuelle Underground-Clubszene der Stadt oder die soziale Rückeroberung von urbanen Brachflächen Berlins aus.

Die von Heike Munder (Leiterin Migros Museum für Gegenwartskunst) kuratierte Schau ist eine seiner bisher grössten institutionellen Einzelausstellungen. Zur Ausstellung wird ein Katalog mit Beiträgen u. a. von Bronac Ferran, John Kelsey, Andrew Wilson und Heike Munder erscheinen.

Stephen Willats lebt und arbeitet in London. Seine Arbeiten waren in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen Institutionen präsent, jüngst u.a. an der 12. Shanghai Biennale (2018), im ZKM, Karlsruhe (2017), in der Tate Britain, London (2016) in der Whitechapel Gallery, London (2014) und im Badischen Kunstverein, Karlsruhe (2010).


United by AIDS – An Exhibition about Loss, Remembrance, Activism and Art in Response to HIV/AIDS

31. August – 10. November 2019
Eröffnung: Freitag, 30. August 2019

Die umfangreiche Gruppenausstellung United by AIDS – An Exhibition about Loss, Remembrance, Activism and Art in Response to HIV/AIDS setzt sich mit den facettenreichen und vielschichtigen Zusammenhängen zwischen Kunst und HIV/AIDS von den 1980er Jahren bis heute auseinander. Nicht nur die verschwommenen Grenzen von Kunstproduktion und Aktivismus in Bezug auf HIV/AIDS werden dabei thematisiert, sondern auch Künstler*innen, die diesen kunsthistorischen Diskurs bis heute bestimmen. Gezeigt werden Positionen, die die Vielfalt von Perspektiven auf den Umgang mit dem HI-Virus und AIDS aufzeigen. Ein ausdrücklicher Fokus liegt dabei auf Arbeiten, die sich mit Themen wie Isolation, Transformation, Zeitlichkeit und Vergänglichkeit im Hinblick auf Körper- und Repräsentationspolitik befassen. Seit der Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wird AIDS oft als Zustand aus der Vergangenheit beschrieben und scheint in unserem aktuellen Gesellschaftsbild an Bedeutung verloren zu haben. Weltweit sterben jedoch nach wie vor fast 1 Million Menschen jährlich an den Folgen von AIDS. Die Ausstellung versucht, die Komplexität der verschiedenen Narrative rund um HIV/AIDS zu entfalten und die Fragilität dieser Geschichten aus einer zeitgenössischen Perspektive zu diskutieren. Ein Ausstellungsschwerpunkt liegt auf dem künstlerischen Aktivismus ausgehend vom New York der 1980er und 1990er Jahre. Die AIDS-Krise hat nicht nur viele politisch-aktivistische Basisbewegungen wie ACT UP ausgelöst, sondern auch die Kunstwelt aktiviert und politisiert.

Die Ausstellung zeigt Werke von über 30 Künstler*innen und wird kuratiert von Dr. Raphael Gygax (Kurator Migros Museum für Gegenwartskunst). Eine Anthologie wird zur Ausstellung erscheinen.

Gezeigt werden Werke von u.a. Absalon, Charles Atlas, Lyle Ashton Harris, Marc Bauer, Judith Bernstein, Nayland Blake, Andrea Bowers, fierce pussy, Rafael França, Keith Haring, General Idea, Gran Fury, Group Material, Nan Goldin, Felix Gonzalez-Torres, Anna Halprin, Hudinilson Jr., Jochen Klein, Peter Kunz Opfersei, Stéphan Landry, Zoe Leonard, Carlos Motta, Cookie Mueller & Vittorio Scarpati, Real Madrid, Prem Sahib, Ellen Spiro & Cheryl Dunye, Rosa von Praunheim, Paul Thek, Edward Thomasson, Wolfgang Tillmans, Sue Williamson, David Wojnarowicz, Martin Wong.


Lily van der Stokker

30. November 2019 – 23. Februar 2020
Eröffnung: Freitag, 29. November 2019

Bekannt wurde Lily van der Stokker (*1954 in Den Bosch, Niederlande) in den frühen 1990er Jahren mit ihren farbenfroh-spielerischen Wandmalereien. In ihrer Ästhetik und fluoreszierenden Farbigkeit berufen sich die von Blumen- und Wolkenornamenten dominierten Werke auf die Pop-Art. Der Betrachter wird durch integrierte Textfragmente oder affirmative Äusserungen wie «Friendly Good», «Wonderful» oder «Hoi» oftmals direkt angesprochen. Die technisch einfach gehaltenen, jedoch höchst exakt und zeitaufwendig realisierten Wandmalereien basieren auf kleinformatigen Zeichnungen, welche die Künstlerin in akribischer Arbeit entstehen lässt. Van der Stokkers Werk ist geprägt von Komik, Satire und Ironie. Fragestellungen, die in ihrem Werk immer wieder auftauchen, kreisen um das Stereotyp des «Femininen», das scheinbar Banale, aber auch ökonomische (Alltags)Begebenheiten oder das Künstlerdasein. Insofern kann ihre Arbeit nicht zuletzt als Provokation gegen ein klassisch-bürgerliches Kunstverständnis gelesen werden. Die Affektproduktion, die van der Stokker durch das Aufgreifen und Aufwerten des Gewöhnlichen betreibt, verweist daher auch auf einen grösseren soziopolitischen Kontext. Seit Beginn ihrer künstlerischen Karriere präsentierte Lily van der Stokker ihre Arbeit in der Schweiz, insbesondere in Zürich. So in der Shedhalle (1990), im Kunsthaus Zürich (1995) und zuletzt 2015 im Migros Museum für Gegenwartskunst. Diese Ausstellung wird erstmals dem Schweizer Publikum einen erweiterten Einblick in van der Stokkers Œuvre ermöglichen.

Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Raphael Gygax (Kurator Migros Museum für Gegenwartskunst). Zur Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Stedelijk Museum in Amsterdam und Roma Publications eine umfangreiche Publikation erschienen.

Lily van der Stokker lebt und arbeitet in Amsterdam und New York. Einzelausstellungen u. a. im Stedelijk Museum, Amsterdam (2018), im Hammer Museum, Los Angeles (2015), im New Museum, New York (2013) und im Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam (2010).


Medien:

Für weitere Informationen und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an René Müller, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: rene.mueller@mgb.ch T +41 58 570 29 99

Download Medieninformationen:

Medienmitteilung vom 08.11.2018 – JAHRESPROGRAMM 2019

Download Media Release (in English):

Media Release 08.11.2018 – ANNUAL PROGRAM 2019


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