Julie Bugnard

«Mein Karriere- und Lebensziel ist es, meine Leidenschaften zu verknüpfen, künstlerisch unabhängig zu sein und mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ich bewundere.»

Meine Ziele

«Mein Karriere- und Lebensziel ist es, meine Leidenschaften zu verknüpfen, künstlerisch unabhängig zu sein und mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ich bewundere. Ich möchte für Theater- und Filmregisseure spielen, die mich berühren, und die mir neue, interessante und prägende Rollen in noch zu entwickelnden Universen vorschlagen. Ich möchte an dieser Entwicklung teilhaben und auch eigene Projekte auf die Beine stellen: vom Schreibprozess über die Schauspielerei bis hin zur szenischen Umsetzung. Auch im Musikbereich möchte ich professionell als Musikerin und Promotorin der zeitgenössischen Alternativszene tätig sein.»

Biografie

Julie Bugnard ist am 12. Januar 1994 in Lausanne geboren. 2012 erlangt sie die gymnasiale Maturität mit Schwerpunkt Philosophie und Psychologie. Drei Jahre lang ist sie auf Reisen, macht Entdeckungen und lernt mit und durch Begegnungen. 2014 ist sie eine der Mitgründerinnen des Kunst- und Kulturkollektivs Collectif TANK. 2015 wird sie an der Kunsthochschule für Theater La Manufacture für den Bachelor in Theater zugelassen und gründet 2016 mit ihrer Kommilitonin Isumi Grichtig die Musikgruppe Sun Cousto. 2018 wird Julie Bugnard ihre Ausbildung abschliessen.

Vorsprechrepertoire

  • Rolle kreiert aus Dad’s/Garin/Yuko in «Yukonstyle» von Sarah Berthiaume
  • Rolle kreiert aus La fille de l’Architecte/Le poète in «Le roi sur la place» von Alexandre Blok
  • Rolle kreiert aus Louis Laine/Marthe in «Der Tausch» von Paul Claudel
  • Sofia in «Argument contre l'existence d'une vie intelligente» von Santiago Sanguinetti
  • Phaidra in «Phaidras Liebe» von Sarah Kane
  • Caligula in «Caligula» von Albert Camus

Auszeichnungen

  • 2017: Studien- und Förderpreis Schauspiel des Migros-Kulturprozent
  • 2016: Studienpreis Schauspiel des Migros-Kulturprozent

Kontakt

Julie Bugnard
Pierreval 11
CH–1007 Lausanne

+41 79 767 47 42
julie.bugnard@gmail.com
uncousto.bandcamp.com
ultrabalaste.tumblr.com

Von einer, die auszog …

Talent des Monats

1. Dezember 2017, Katharina Nill

Julie Bugnard ist Schauspielerin, Musikerin und Netzwerkerin. Klare Visionen und hohe Ansprüche treiben sie – Fallschirmsprünge und die Talentförderung des Migros-Kulturprozent erden sie.

Ein wenig ausser Atem erscheint die junge Schauspielerin Julie Bugnard in dem verabredeten Café am Zürcher Hauptbahnhof. Sie ist extra aus Lausanne angereist und verbindet das Interview mit dem Besuch eines Rockkonzerts am Abend. Ihre Blässe, die schwarze Kleidung und das Rot auf ihrem Mund verstärken diesen Kontrast.

Die 23-jährige Bugnard studiert seit 2015 an der Manufacture, der Westschweizer Hochschule für Schauspielkunst in Lausanne, wo sie auch geboren ist. Sie zeigt sich ungewöhnlich tiefgründig, spontan und erzählt ohne jede Scheu: «Ich bin wirklich froh, an der Manufacture gelandet zu sein. Mein Leben hat sich seither extrem verändert – schon dadurch, dass ich nun Teil einer Struktur bin. Ich habe mich zuvor eher verloren gefühlt und konnte kaum Anerkennung für das finden, was ich tat.»

Ein Platz mit Struktur

Doch von vorne. Als Julie Bugnard mit ihrer Matur fertig ist, weiss sie über sich und ihr Leben nur eines: dass sie sich nicht mit einem «normalen Job» identifizieren kann. Sie findet sich in einer Denkspirale wieder, die sie als anstrengend schildert. «In der Manufacture habe ich gelernt, weniger allgemeine Ideen über das Leben zu haben. Ich denke immer noch ständig über alles nach, aber ich versuche, meine Gedanken zu entschleunigen und stattdessen mehr Konkretes zu tun.»

Die Zugehörigkeit zur Schule gibt ihr Selbstvertrauen, wie Bugnard erzählt. «Schon der Umstand, an der Schule aufgenommen worden zu sein, ist aufmunternd: Von 300 Bewerbern kamen 32 in die zweite und 16 in die letzte Runde. «Als ich meine Bewerbung abschickte, hatte ich nur wenig Schauspielerfahrung. Durch die Aufnahme an der Schule ist mir bewusst geworden, dass ich dank meiner Fähigkeiten etwas erreichen kann. An der Manufacture erfahre ich von vielen Seiten Ermutigung und setze, Schritt für Schritt, mehr Vertrauen in mich.»

Zuletzt ist es die Intensität, die Julie Bugnard so sehr an ihrer Ausbildung schätzt: «Ich konnte mir nie vorstellen, einen Platz in einem gewöhnlichen Lebensmodell zu finden, und sehnte mich nach intensiven Erfahrungen. Das Theater lehrt mich, dass eigentlich alles intensiv sein kann. Daneben schätze ich an meiner Ausbildung auch die Arbeit mit der Stimme, mit der Atmung, mit dem ganzen Körper, das Spielen selbst und die menschlichen Begegnungen.»

Jahre des Suchens

Man versteht Bugnards Erleichterung, ihren Platz gefunden zu haben, noch besser, als sie zu erzählen beginnt, wie sie die drei Jahre zwischen Matur und Studienbeginn verbringt. Sie redet schnell: «Ich wusste einfach nicht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Zunächst übernahm ich kleine Jobs, war verliebt, schrieb viel, zog um und reiste durch Europa, um Konzerte zu sehen. Ich schrieb mich an der Uni für Französisch und Literatur ein, aber brach die Universität bald ab, denn ich fühlte mich nicht an meinem Platz. Ich habe dann die Aufnahmeprüfung am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel für literarisches Schreiben gemacht. Ich bin in die erste Runde gekommen, aber nach dem zweiten Durchgang auf der Warteliste geblieben.»

Julie Bugnard absolviert ein 6-monatiges Praktikum bei dem Verlag Héros-Limite und übernimmt dort redaktionelle Aufgaben. Zudem wirkt sie im Verlauf der drei Jahre bei mehreren Theaterprojekten als Dramaturgieassistentin mit. «Bei den Vorbereitungen zu zwei Stücken unter der Regisseurin Adina Secretan, Brutale Nature, das am Theater 2.21 aufgeführt wurde, und Place, das im Arsenic und in L’Usine gespielt wurde, nahm ich wahr, wie viel Freude mir die Arbeit machte und wie gerne ich auf der Bühne stehe.»

Der Knoten löst sich

Auch die Fernreise, die Bugnard darauffolgend unternimmt, gibt ihr Auftrieb und bedeutet ihr rückblickend sehr viel, wie sie sagt. Über New York und Chicago reist Bugnard nach Kalifornien, wo sie eine Freundin besucht, die in einem Fallschirmzentrum lebt. «Ich nutzte die Gelegenheit eines Sprungs – und liebte es!» Spontan verlängert sie ihren Aufenthalt um einen Monat und erwirbt die Sprunglizenz. «Diese Zeit war geprägt von Freude und Leichtigkeit: Endlich dachte ich einmal nicht darüber nach, wie mein Leben aussehen sollte. Alles, was ich tat, war Fallschirmspringen, mit meinen Bekannten beisammen sein und die Sonne geniessen.» Sie schiebt lachend hinterher: «Auch wenn meine Blässe es nicht vermuten lässt: Zum ersten Mal realisierte ich, wie sehr ich die Sonne brauche und mag.»

Nach ihrer Rückkehr liebäugelt sie zwar mit der Schauspielerei, doch erst braucht es noch die Ermutigung eines Aussenstehenden, bis Bugnard ihrem Instinkt zu folgen traut und der Schauspielerei eine Chance einräumt. «Ich habe mit einer Freundin zusammengearbeitet, um meine Bewerbung an der Manufacture vorzubereiten. Wir packten es sehr naiv an, ich hatte ja keine Ahnung … Erst später wurde mir klar, wie gross die Konkurrenz sein würde. Als ich der Einladung zum Bewerbungsgespräch folgte und realisierte, dass sich zwanzig Personen meine Performance ansehen würden, kriegte ich es mit der Angst zu tun. Doch zu meiner Überraschung wurde ich zu einer zweiten Runde eingeladen und schlussendlich zum Studium zugelassen!»

Zweifache Gründerin, zweifache Preisträgerin

Julie Bugnard ist Einzelkind und hauptsächlich bei ihrer Mutter aufgewachsen. Eines ist klar: Der erneute Gewinn eines Studienpreises und die zusätzliche Auszeichnung zur Förderpreisträgerin des Migros-Kulturprozent hat ihre Eltern mit Stolz erfüllt. «Ich bin unglaublich dankbar für diesen Preis. Ich kann jetzt fast unabhängig leben, was nicht nur mir, sondern auch meiner Mutter und unserer Beziehung gut tut.»

Wie talentiert Bugnard in verschiedensten Künsten ist, wie leicht sie sich mit anderen Künstlern vernetzt und wie sehr sie sich die Do-it-yourself-Attitüde zu Herzen nimmt, zeigen zwei von ihr aufgezogene Projekte. Zum einen gründet sie 2014 mit drei Freundinnen das Kunst- und Kulturkollektiv collectif Tank: «Letztes Jahr haben wir 15 Künstler aus den verschiedensten Künsten zu einer zweiwöchigen Residence in das Espace Saint-Martin nach Lausanne eingeladen. Das war eine neue Erfahrung für uns und es war ein Erfolg: Wir mixten eine Ausstellung mit fünf Performances und fünf Konzerten. Das Feedback war sehr positiv, wir hatten viele Besucher, all das hat uns die Motivation gegeben, unsere Arbeit fortzusetzen und uns weiterzuentwickeln.»

Zum anderen hat Bugnard mit einer Kommilitonin gerade die Punk-Band Sun Cousto gegründet. «Eines Abends beschlossen wir, eine Band zu gründen – und taten es.» Der Bandname ist angelehnt an den Kommandanten Jacques-Yves Cousteau, den französischen, weltweit bekannten Pionier in der Meeresforschung und Dokumentarfilmer. Bugnard ist am Schlagzeug, ihre Kommilitonin an der Gitarre und beide singen. «Ich denke nicht, dass es hier um Talent geht. Ich wollte es einfach probieren. Also haben wir es getan. Mit der richtigen Person geht vieles leichter von der Hand … » Bugnard vermutet, dass sie ein gutes Gespür für Musik hat, da sie sehr viel und schon seit langem Musik hört. Drei Konzerte hat Sun Cousto bereits gegeben, das erste bereits nach nur vier Monaten des Probens.

Theater und Film

Für welche Form von Theater fasziniert sich Julie Bugnard eigentlich? «Mir ist bewusst geworden, dass es für mich sehr wichtig ist, Geschichten und Charaktere zu erzählen. Wohingegen ich mich früher mehr für konzeptuelle Kunst interessiert habe.» Bugnard bezieht sich beispielhaft auf das Theater zweier New Yorker Autoren, Regisseure und Musiker, Richard Maxwell und Zachary Oberzan. «Ihr Theater ist geprägt vom amerikanischen Realismus gemischt mit Fantasy und Traumelementen. Man kann diese Form von Theater nicht als neu bezeichnen, auch experimentell ist nicht zutreffend. Es ist einfach nicht besonders geläufig hierzulande …»

Auch für das Kino würde Julie Bugnard gerne spielen, wenngleich sie sich dort bisher noch nicht unter Beweis stellen konnte. Insbesondere ein Workshop an der Manufacture mit der von ihr bewunderten Schweizer Regisseurin Ursula Meier (z.B. Home, 2008) hat sie begeistert: «Ich würde gerne in einem ihrer Filme spielen!» Nach bewunderten Schauspielern gefragt, überlegt Bugnard einen Moment: Casey Affleck, der zuletzt mit dem gefeierten Film Manchester by the Sea Aufsehen erregte. «Ich mag seine Stimme sehr gern, sein Gesicht und die Art, wie er seinen Körper bewegt. Von den Filmen, in denen er spielt, mag ich vor allem Gerry von Gus Van Sant.»

Ein Frau der klaren Vision

Als wir auf mittel- und langfristige Ziele zu sprechen kommen, sagt Bugnard: «Oh, ich weiss sehr genau, was ich erreichen will!». Sie lacht und holt Luft: «Ich möchte Stücke schreiben, ihre Finanzierung sichern, die Regie übernehmen und in meinen Stücken auch mitspielen. Ich möchte Musik machen und Konzerte promoten. Zudem würde ich gerne weiterhin mit Freunden kollaborieren und langfristig eine Stätte für Musik und Performances gründen, vielleicht in Lausanne. Idealerweise würde das damit einhergehen, dass wir reisen, touren und Partnerschaften mit anderen Auftrittsorten und Künstlern eingehen.»

Und mit einem Mal hat man ganz klar vor Augen, wie Julie Bugnard auf irgendeinem Felsvorsprung steht, ihren Rucksack packt und ihren Fallschirm aufspannt, um sich für einen lustvollen Sprung bereitzumachen, der immer ins Ungewisse führt. Sie legt nach: «Ich schäume über vor Ideen, die ich gerne umsetzen würde. Und das ist, was ich tun werde! Gleichzeitig wünsche ich mir sehr, von der Arbeit leben zu können, für die ich brenne. Ich muss nicht zwingend reich werden, aber das Geld sollte doch ausreichen. Und es wäre natürlich toll, wenn meine Arbeit Anerkennung fände. Vielleicht hört sich das alles naiv an …» Nein. Es hört sich entschlossen, klar und mutig an. Dann nimmt Bugnard Anlauf – und springt.

 

Julie Bugnard auf der Talentplattform des Migros-Kulturprozent

  • 2018: Abschlussstück der Absolventen I; Regie: Tiago Rodriguez; Nationaltheater Portugal
  • 2017: «This Couch is Long and Full of Friendship»; Regie: Isumi Grichting und Julie Bugnard; La Manufacture
  • 2017: «The Randoms» von Richard Maxwell; La Manufacture
  • 2017/2016/2014: «Place!»; Regie: Adina Secretan; Théâtre de l'ABC, La Chaux-de-Fonds, Théâtre de l'Arsenic, Lausanne, Théâtre de l'Usine, Genève, Les Urbaines, Lausanne, Théâtre de Vidy, Lausanne

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