Mahalia Horvath

Meine Ziele

«Bewegen. Die Menschen und Zuschauer berühren, durch meinen Körper, meine Bewegungen und meine Stimme. In ihnen etwas auslösen wie Gedanken oder Träume, Freudentränen, Wut oder Mut – auf der Bühne und vor der Kamera. Ich möchte meine Ideen ausleben und aus meiner Kreativität schöpfen. Alleine oder in kollektiver Arbeit mit anderen Künstlern und Künstlerinnen aus allen Bereichen, mit Regisseuren und Choreografinnen. Im deutschsprachigen Raum und einmal um die Welt. Für mich ist mein Körper mein Instrument, das ich überallhin mitnehmen kann, und mit dem ich Geschichten in allen Arten und Formen erzählen möchte.»

Biografie

Mahalia Horvath, am 14.09.1993 in Beinwil am See geboren und aufgewachsen, hat sich seit ihrer frühen Kindheit durch verschiedene Tanzarten bewegt. Nebst dem körperlichen Schwerpunkt ist Schauspiel für sie eine wichtige Möglichkeit, sich auf der Bühne auszudrücken. Nach einigen Theaterkursen führen sie ihre Leidenschaften 2010 nach Basel, wo sie die FMS in Fachrichtung Musik, Tanz, Theater besucht und ihre Fachmatur 2013 mit Schwerpunkt Theater erfolgreich abschliesst.

Danach spielt Horvath einen Sommer lang an den Freilichtspielen in Andermatt, sammelt Erfahrungen, reist und verfolgt ihr Ziel, weiter selbstständig ihre kreativen Ideen umzusetzen, sich zu bewegen und schauspielerisch auszubilden.

Seit 2015 studiert Horvath Physical Theatre an der Folkwang Universität der Künste in Essen, das alle ihre Leidenschaften vereint. 2019 schließt sie dort mit dem Artist Diploma ab. Mahalia Horvath freut sich, den herausfordernden Weg als Schauspielerin, Performerin und Theatermacherin zu gehen.

Repertoire

  • Stella in «Stella» von Johann Wolfgang von Goethe
  • Franziska in «Das Männerphantom der Frau» (1898) frei nach Franziska Gräfin zu Reventlow
  • Lena in «Leonce und Lena» von Georg Büchner
  • Patient von Direktorin Patricia Montesian in «Unendlicher Spass» von David Foster Wallace
  • Leah in «DNA» von Dennis Kelly

Auszeichnungen

  • 2018: Studienpreis des Migros-Kulturprozent
  • 2017: Studienpreis des Migros-Kulturprozent

Rezensionen

Kontakt

Kirchmoos 1
CH–5712 Beinwil am See

Brandstorgasse 12
DE–45239 Essen

+41798117031
+4917682788787
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Tief im Westen

Talent des Monats

1. April 2018, Katharina Nill

Mahalia Horvath hat ganz eigene Vorstellungen von ihrer Zukunft als Schauspielerin, Performerin und Theatermacherin. Der zweifache Studienpreis des Migros-Kulturprozent in Bewegungstheater bestärkt sie darin.

Es dürfte für Mahalia Horvath von Beinwil am See im Kanton Aargau in die Ruhrgebietsstadt Essen kein einfacher Schritt gewesen sein. Dort studiert die 24-Jährige an der renommierten Folkwang Universität der Künste Physical Theatre. Doch Renommee hin oder her: Der Charme des deutschen Westens mit seiner industriellen Ästhetik, seiner dicht besiedelten Städtelandschaft, geprägt von früherer Kohle- und heutiger Montanindustrie und einer entsprechenden Sozialstruktur, erschliesst sich nicht leicht. Horvath berichtet: «Zu Beginn war es etwas derb hier, doch es hat nicht lange gedauert, die andere Menschlichkeit und Farbe schätzen zu lernen. Die Menschen hier sind sehr direkt, ehrlich und geradeheraus.»

Horvath wurde jüngst zum zweiten Mal mit dem Studienpreis Bewegungstheater des Migros-Kulturprozent ausgezeichnet, da dieses auch Schweizer Talente unterstützt, die im Ausland studieren. Künstlerischer Ausdruck, erzählt sie, ist durchaus familiär geprägt: «Mein Vater ist in der freien Musikszene vor allem als Keyboarder und Pianist bekannt, unter anderem als Mitglied der Band Wild Hearts aus den 1980er-Jahren. Meine Mutter arbeitet als Bewegungstherapeutin, einer der Grossväter war Bildhauer und eine der Grossmütter Kunstmalerin.» Und für Mahalia Horvath ist es Bewegung, Schauspiel und Tanz.

Wanderjahre

Horvath findet als Vierjährige zum klassischen Ballett und zur Ballettimprovisation, und verliebt sich schnell in die Bühne. «Mir war früh klar, dass ich einen Beruf ausüben möchte, der mir Freude bereitet, mich erfüllt und in welchem ich meine eigenen kreativen Ideen ausleben kann.» Ihre Leidenschaft für Bewegung und Theater führen sie nach der Bezirksschule an die Fachmaturitätsschule mit Schwerpunkt Musik, Theater und Tanz. Eine anstrengende Zeit, da sie hierfür zunächst ein Jahr nach Aarau, danach zwei Jahre nach Basel pendelt. Nebenbei spielt sie am Jungen Theater Basel.

Noch bevor Horvaths letztes Schuljahr anbricht, ereignet sich etwas Unerwartetes: Sie wird sie für eine Probezeit an der vom Clown Dimitri gegründeten Accademia Teatro Dimitri in Verscio aufgenommen. «Ich war damals 18 Jahre alt, zog ins Tessin, lebte zum ersten Mal allein, hatte die Fachmatura noch nicht in der Tasche und war mit einer neuen Sprache konfrontiert.» Sie verfehlt die Aufnahme knapp und ist zunächst enttäuscht: «Ich war vielleicht etwas zu jung für diese grosse Herausforderung. Dennoch hatte ich mich sehr eingesetzt. Mit der heutigen Erfahrung weiss ich, dass Sprache und Theaterspiel an der Dimitri für mich zu kurz gekommen wären, da deren Fokus eher auf Akrobatik liegt. Die Erfahrung hat mich auch gelehrt, Absagen bei Vorsprechen viel leichter wegzustecken.»

Über Kontakte wird sie mit dem Regisseur Livio Andreina der Freilichtspiele Andermatt bekanntgemacht, und bekommt die weibliche Hauptrolle der Nina in Gisela Widmers Stück Tyyfelsbrigg. 25 Mal wird es aufgeführt in jenem Sommer 2013. «Nach der Enttäuschung mit der Dimitri Schule war das eine gute Erfahrung, die mir wieder Kraft und Flügel verliehen hat.» Mit diesem Schwung, und auch der Fachmatura in der Tasche, jobbt, tanzt und reist sie eine Weile. «Ich merkte damals, dass ich noch etwas Zeit brauchte, um einfach einmal zu leben und Erfahrungen zu sammeln.»

Wiege des mimischen Theaters

Als sie beginnt, sich nach Ausbildungsmöglichkeiten umzusehen, insistiert eine Freundin, dass Horvath sich für Physical Theatre an der Folkwang bewirbt. Sie folgt dem Ruf und bekommt den Studienplatz. «Wie froh bin ich heute!» Horvath ist inzwischen in ihrem letzten von vier Studienjahren. Im Curriculum stehen Fächer wie Stimme, Maskenspiel, Fechten, Akrobalance, Mime, Bewegungs- und Sprechtraining. Massgeschneidert für die Bewegungsbegeisterte: «Ich kann meine Stärken im Physischen mit dem komödiantischen und dramatischen Sprechtheater verbinden. Die ideale Mischung für mich!»

Das Ruhrgebiet ist die Wiege des mimischen Theaters in Deutschland, und die Folkwang Universität der Künste ist bundesweit der einzige Anbieter dieses Studiengangs, der seit 50 Jahren existiert und vor der Bolognareform Pantomime hiess. Die Universität hat Kreative wie die bewunderte Tänzerin und Choreografin Pina Bausch, den Schauspieler Armin Rohde und den Kabarettisten Diether Krebs hervorgebracht. Die Nähe zwischen den künstlerischen Disziplinen wird gelebt – ein Umstand, von dem auch Horvath ungemein profitiert: «Es ergeben sich laufend neue Kollaborationen und ich schätze die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Tänzern, Musikern und Regiekollegen. Aktuell führen wir die Gespenstersonate 2.0 auf, eine Zusammenarbeit von Studierenden in Regie, Schauspiel, Physical Theatre und Musical.»

Eine Zukunft mit Polster

Und wie sind die Zukunftsaussichten für Horvath, die 2019 abschliessen wird? «Manche Absolventen sind in der freien Performance-Szene tätig, andere bekommen Engagements am Theater», erläutert sie. Und auch sie kann sich vorstellen, erst einmal für einige Jahre ein festes Engagement in einem Theaterhaus oder einem Schauspielensemble anzunehmen, «um die eigene Spielerfahrung auf eine solide Basis zu stellen.» Ihr eigenes Profil fasst Horvath folgendermassen zusammen: «Schauspielerin, Performerin und Theatermacherin am Schnittpunkt verschiedener Darstellungsmöglichkeiten aus den Bereichen Bewegung, Schauspiel und Performance.» Die Studierenden kreieren – ein weiteres Merkmal des Studiengangs – nämlich auch eigene Stücke.

Drei solcher Eigenkreationen hat Horvath auch bei ihrem zweiten Wettbewerb Bewegungstheater des Migros-Kulturprozent aufgeführt. Sie erzählt aufgeregt: «Am meisten entspricht mir das Stück Shoes to Lose, in dem ich eine Frau darstelle, deren Füsse ein Eigenleben beginnen und die Kontrolle übernehmen. Ich würde dieses Stück, das für den Wettbewerb nur 5 Minuten dauern durfte, gerne ausbauen.»

Sie berichtet von einem Phänomen, das vielen Studienpreisträgerinnen bekannt ist, die ein zweites Mal zum Wettbewerb antreten: «Der Druck, den man sich macht, ist bei der zweiten Teilnahme höher. Man denkt: ‹Die Jury hat bestimmt einen grösseren Anspruch und wie zeige ich, dass ich mich binnen des letzten Jahres entwickelt habe?› Man muss ja die eigene Performance des ersten Wettbewerbs toppen.» Einen Teil des Fördergeldes legt sie für die Zeit nach dem Abschluss zur Seite: für den Aufbau einer Selbstständigkeit in der freien Szene, für Vorsprechen, Weiterbildung und natürlich als Polster in jenen potenziell dürren Zeiten, die jedem Künstler drohen. «Einen anderen Teil investiere ich aktuell in Gesangs- und Sprechunterricht.»

Träume

An der Frage, ob es in der Szene einen Künstler oder eine Gruppe gebe, die sie inspiriere, zeigt sich der ganz eigene Kopf der jungen Frau mit ihren zarten Zügen und den hellbraun gelockten Haaren. Erst nach reichlichem Zögern nennt sie die belgische Tanztheater-Gruppe Peeping Tom. Diese hat seit 2002 eine unverkennbare Theater-Tanz-Mischung entwickelt, häufig inszeniert in hyperrealistischem Setting mit surrealem Geschehen. Doch eigentlich hat Horvath in der Szene noch Nichts entdeckt, womit sie sich «hundertprozentig» identifizieren kann – und es ist der Quasi-Absolventin zugute zu halten, dass sie nach ihrer ureigenen künstlerischen Handschrift sucht. Theoretisch umreisst sie diese mit «thematischer Klarheit, physisch präziser Ausarbeitung und Figurentiefe bei gleichzeitig schlichter Darstellung».

Horvath möchte sich nur ungern auf etwas festlegen, sondern vieles ausprobieren und Abwechslung erleben. «Mein Wunsch wäre, ein Drittel meiner Zeit vor der Filmkamera zu stehen. Die Arbeit ist realistisch und nah am Menschen, besteht aus klar strukturierten Arbeitsschritten, und ich geniesse das Gefühl, etwas zu schaffen, das nicht vergänglich ist. Dennoch wäre ich nicht bereit, die Bühne ganz für den Film aufzugeben. Daher würde ich zu einem zweiten Drittel gerne Stücke kreieren und alleine oder mit anderen aufführen. Für das letzte Drittel meiner Arbeit wünsche ich mir, einfach nur als Schauspielerin oder Darstellerin zu arbeiten, und die Verantwortung der Kreation zu übergeben. Gerade auf diesem Gebiet habe ich in meiner Zeit in Essen sehr viel gelernt, das ich anwenden möchte.»

Und man wünscht der Talentierten «Glückauf» für die Zukunft – eine Grussformel aus dem für das Ruhrgebiet so typischen Bergbau. Er drückt den Wunsch unter Bergleuten aus, es mögen sich bei ihrer Wanderung oder Korbfahrt aus der Grube nach oben Gänge auftun und nicht schliessen.

  • 2018: «Der Autofriedhof»; Rolle: Tiossido; Regie: Selina Girschweiler; Folkwang UDK; Gastspiel Frankfurt und Stuttgart
  • 2018: «Polter» (Kurzfilm); Rolle: Helene Polter; Regie: Alisa Kolosova; IFS Köln
  • 2017: «Fairy Queen»; Rolle: Fairy Queen, Esel; Regie: Achim Lenz; Folkwang UDK
  • 2017: «Die Gespenstersonate»; Rolle: Köchin; Regie: Selina Girschweiler; Folkwang UDK
  • 2017: «A Sense of Reminiszenz»; Rolle: Angelika; Choreografie: Mila Tomsich; Theaterzentrum Bochum
  • 2016: «Timo & Liese»; Rolle: Timo; Regie: Maire Fuss, Mahalia Horvath; Folkwang UDK
  • 2016: «beckenrand»; Rolle: Schwimmerin; Regie: Mahalia Horvath; Maschinenhaus Essen
  • 2016: «Gretchen»; Rolle: Schauspielerin Gretchen; Regie: Remo Philipp; Folkwang UDK
  • 2016: Performance an der Extraschicht; Rolle: Arbeiterin; Regie: Constantin Hochkeppel; Jahrhunderthalle Bochum
  • 2013: «Rega erklärt» (Informationsfilm); Rolle: Enkelin; Regie: Adrian Perez
  • 2013: «Tyyfelsbrigg»; Rolle: Nina, Meitschi; Regie: Livio Andreina; Freilichtspiele Andermatt
  • 2013: «Sonja Sennkopp – Ein anderes Ich»; Rolle: Sonja Sennkopp; Regie: Mahalia Horvath; TAB Reinach
  • 2012: «Nightmare is my Way»; Rolle: diverse; Regie: Uwe Heinrich; Junges Theater Basel

«beckenrand» – Physical Theatre Performance von und mit Mahalia Horvath

 

«Gretchen» – Physical Theatre Performance von Mahalia Horvath und Remo Philipp

 

«Shoes To Lose» – Physical Theatre Performance von Mahalia Horvath

 

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