Paul Handschke

«Mein Ziel ist es, eine gute Balance zwischen dem Orchesterspiel und solistischen Auftritten zu finden. Beide Aspekte der musikalischen Karriere haben ihren Reiz, und ich persönlich fände es erfüllend, in beiden Bereichen spezialisiert zu sein. »

Meine Ziele

«Mein Ziel ist es, eine gute Balance zwischen dem Orchesterspiel und solistischen Auftritten zu finden. Beide Aspekte der musikalischen Karriere haben ihren Reiz, und ich persönlich fände es erfüllend, in beiden Bereichen spezialisiert zu sein.»

Biografie

Paul Handschke wird 1993 in München geboren. Im Alter von fünf Jahren bekommt er seinen ersten Cellounterricht bei Stefan Bohn, später bei Michael Weiß und David Grigorian. Zusätzlich nimmt er an Meisterkursen der bekanntesten Cellopädagogen wie Wen-Sinn Yang, Wolfgang Emanuel Schmidt, Jens-Peter Maintz oder David Geringas teil. In der Saison 2014/15 hatte Paul Handschke einen Zeitvertrag im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks; zudem ist er Zuzüger unter anderem im Sinfonieorchester St. Gallen. Er wird sein Studium bei Thomas Grossenbacher an der Zürcher Hochschule der Künste in 2018 abschliessen. Ab März 2018 tritt er eine feste Stelle im Tonhalle-Orchester Zürich an.

Auszeichnungen

  • 2017: Studienpreis des Migros-Kulturprozent
  • 2016: Studienpreis des Migros-Kulturprozent
  • 2016: Förderpreis und Stipendium beim Oberstdorfer Musiksommer
  • 2015: «Honorable Mention» beim CIML (Lausanne)
  • 2012: Preis des Vereins der Pasinger Mariensäule e.V.
  • Kontakt

    Paul Handschke
    Seefeldstrasse 192
    CH–8008 Zürich

    +41 78 634 23 19
    paul.handschke@gmx.de
    www.paulhandschke.com

    Karrierestart auf Bayerisch

    Talent des Monats

    1. Februar 2018, Katharina Nill

    Für den Cellisten Paul Handschke geht es von der Zürcher Hochschule direkt ins Tonhalle-Orchester. Den Start im renommierten Orchester nimmt der Studienpreisträger des Migros-Kulturprozent bayerisch gelassen. 

    Obwohl Paul Handschke inzwischen in Zürich zu Hause ist, verbringt er die Tage zwischen den Jahren in München, wo seine Eltern und Geschwister leben. Mit Halsschmerzen und einer Erkältung taucht er im Café Mozart auf, hält verantwortungsvollen Abstand und bestellt sich ein Kännchen Tee. Man wünscht dem grossgewachsenen 25-jährigen Blondschopf sofortige Besserung, hat er doch in der ersten Kalenderwoche 2018 ein Cellokonzert im Rahmen seiner Abschlussprüfungen an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK zu bewerkstelligen. Handschke wird Orchestermusiker werden. Im März tritt er eine unbefristete Tutti-Stelle im legendären Tonhalle-Orchester Zürich an – parallel zu einem weiteren Master-Studium.

    «Wer als Musiker komfortabel leben möchte, braucht eine Professur oder eine Orchesterstelle», erklärt Handschke. «Für den Nervenkitzel und das Risiko, das die Solisten ertragen müssen, bin ich nicht gemacht. Dafür bin ich zu bayerisch …». Er bezieht sich auf die den Bayern zugeschriebene Gelassenheit, die ihnen bisweilen auch als Gemütlichkeit ausgelegt wird. Und tatsächlich entspannt man sich in Handschkes Gesellschaft augenblicklich. Er spricht ein mildes Bayerisch – aus «ai» wird «oa», aus «halbwegs» wird «a bissl» – und gepaart mit seiner Basstimme, klingt das sehr charmant und überhaupt nicht nach Stammtisch oder Gerhard Polt.

    Zweimaliger Studienpreisträger

    Seine bayerische Gelassenheit kam Handschke auch beim Talentwettbewerb des Migros-Kulturprozent im Dezember 2017 zugute. «An diesem Tag riss mir zwei Stunden vor dem Vorspiel während des Probens die G-Saite meines Cellos. Da sich eine neue Saite schnell verstimmt, musste ich einen Grossteil der Vorbereitungszeit fürs Nachstimmen nutzen.» Zu allem Überfluss hatte die Jury den 3. Satz des Cellokonzertes von Haydn ausgewählt, ein anspruchsvolles Stück. «Ich war doch recht überrascht, als ich allen Widrigkeiten zum Trotz zum zweiten Mal den Studienpreis des Migros-Kulturprozent gewonnen habe und in die Konzertvermittlung aufgenommen wurde.»

    Als Deutscher erfüllt Handschke die Wettbewerbsbedingungen insofern, als er seit über fünf Jahren in der Schweiz lebt und studiert. Die Fördersumme kann er gut gebrauchen: «Neue Saiten belaufen sich auf 400 bis 500 Franken, man braucht Konzertbekleidung und mein Cellokasten bricht auch bald auseinander. Das wären 1500 Franken.» Zudem möchte Paul Handschke ab Herbst 2018 in München bei Maximilian Hornung einen zweiten Masterstudiengang aufnehmen. «Das lässt sich mit der halben Stelle im Tonhalle-Orchester gut kombinieren.» So kommt der Preis auch wegen der Kosten fürs Studium und das Pendeln zwischen Zürich und München gelegen.

    Talent und gute Lehrer

    Während seine 8 und 9 Jahre älteren Brüder mit klassischer Musik eher wenig am Hut haben, erhält Handschke seinen ersten Cellounterricht mit 5 Jahren. «Meine Mutter ist Klavierlehrerin und mein Vater studierte Geige und arbeitete zunächst als Orchestermusiker. So kam es, dass ich mit 10 Jahren bereits grosse Literatur für Klaviertrio spielte, also mit meiner Mutter am Klavier, mit meinem Vater an der Geige und mir am Cello.»

    Handschke glaubt, dass sich sein musikalisches Talent früh mit guten Voraussetzungen gepaart hat: «Ich habe lange unterschätzt, welchen Einfluss es auf mich gehabt haben muss, dass ich stets von Musik umgeben war, dass meine Mutter mich beim Üben auf dem Klavier begleitet hat und dass meine Eltern beim Einschlafen noch Sonaten gespielt haben. Ich denke, dass ich heute von einem intuitiven musikalischen Wissen profitiere, das sich durch die frühe Konfrontation mit tiefgründiger Musik bilden konnte.»

    Erst «spät», mit etwa 16 Jahren, nach rund 11 Jahren wöchentlichen Privatunterrichts, zieht Handschke zum ersten Mal in Erwägung, Berufsmusiker zu werden. «Wie unter Musikern üblich, habe ich durchschnittlich alle 5 Jahre meine Lehrer gewechselt. Mit 15 Jahren kam ich zu David Grigorian, einem langjährigen Rostropovich-Schüler. Sein Unterrichtsstil, sein Anspruch und sein kreativer Zugang waren eine völlig neue Erfahrung für mich. Wir mochten uns sehr, und diese Phase war ausschlaggebend für meine Entscheidung, Musik zu studieren.» Nach seinem Abitur 2012 an einem humanistischen Gymnasium in München-Pasing, bewirbt sich Handschke auf Anraten von Grigorian an verschiedenen Musikhochschulen in der Schweiz.

    Studium in Schweizer Qualität

    Die Bewerbungsverfahren geht er «naiv und unerfahren» an, wie er sagt, «ohne genauer zu prüfen, ob Lehrer, Klasse oder Unterrichtsstil und ich eigentlich zusammenpassten». Dann begegnet er Thomas Grossenbacher: «Er sah während der Aufnahmeprüfung an der ZHdK etwas in mir, was ihm gefiel.» So kommt es, dass Handschke auf einen Bachelor beim umschwärmten Lehrer ab 2012 einen Master in Musikpädagogik folgen lässt, den er vor wenigen Tagen abgeschlossen hat. Neben bekannten Cellogrössen wie Yo-Yo Ma und Truls Mørk nennt Handschke als Idole seine vergangenen, zukünftigen und gegenwärtigen Lehrer: Grigorian, Hornung und Grossenbacher selbst.

    «Grossenbacher hat sich kürzlich dazu hinreissen lassen, mir von meiner Aufnahmeprüfung zu erzählen. Ich spielte die Sinfonia Concertante von Prokofiev vor, und ihm gefielen mein Celloklang, die Farben und das Vibrato, das schon gut entwickelt war. Obwohl bei weitem nicht alles perfekt war, wusste er da, dass er mich fördern wollte.» Handschke lacht über das Glück, das er hatte. «Und es war sehr nett von Grossenbacher, dass er mir das erzählt hat, finde ich.» Neben Ausdruck, Technik, Stilbewusstsein und Repertoire ist es vor allem die Professionalität seines Lehrers, von der Handschke bis heute profitiert: «Beispielsweise mag Pünktlichkeit selbstverständlich klingen, aber in der Praxis ist sie es nicht. Grossenbacher ist sehr grosszügig und wohlwollend in seiner Art, uns all sein Wissen und Können zu vermitteln und zur Verfügung zu stellen.»

    Ein Platz im Orchester

    Handschke, dem das Erzählen leicht fällt, berichtet von seinem grossen Glück, schon früh während des Studiums in Orchestern gespielt zu haben. «In der Saison 2014/15 war ich beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, 2015/16 als Praktikant beim Tonhalle-Orchester Zürich, und auch als Zuzüger beim Sinfonieorchester St. Gallen.» Löst der Ausblick auf eine unbefristete Stelle im Tonhalle-Orchester da überhaupt noch eine Regung aus? «Oh, diese Stelle bekommen zu haben, ist grandios! Das Orchester, der Dirigent Lionel Bringuier und auch der künftige Dirigent Paavo Järvi sind renommiert. Es ist unglaublich schwer heutzutage, eine Stelle in einem guten Orchester zu bekommen. Es ist fast untertrieben, wenn ich sage: ich freue mich sehr.»

    Handschke hat bereits unter Dirigiergrössen wie Mariss Jansons, Herbert Blomstedt, John Eliot Gardiner, Neville Marriner oder Franz Welser-Möst gespielt. «Der Dirigent hat eine viel grössere Funktion als ihm von der Öffentlichkeit zugeschrieben wird. Ein guter Dirigent aktiviert neben der technischen Ebene auch eine emotionale. Die Alpensinfonie, die wir mit dem Tonhalle-Orchester vor zwei Jahren spielten, vermittelt Auf- und Abstieg an einem Berg und setzt diese Bewegung mit dem Leben gleich. Welser-Möst konnte uns zeigen, dass es um soviel mehr ging als die Musik. Das hat mir Gänsehaut bereitet. Ohne eine guten Dirigenten, würde jeder nur spielen, was auf dem Blatt stünde – es wäre nicht dasselbe …»

    Krisenfreie Beziehung

    Zweifel an der Wahl seines Instruments oder seiner Berufswahl hatte Handschke nie. «Wenn das Spiel nicht gut klingt, hat das Gründe. Und die sind in der Regel offensichtlich. Beim Musizieren gibt es selten böse Überraschungen, und ich schätze das.» Dem Cello, erklärt er, wird Wärme und Nähe zur menschlichen Stimme zugeschrieben. «Mir ist das ein bisschen zu abstrakt. Aus meiner Sicht erzeugt das Cello nicht nur wahnsinnig schöne Töne, sondern auch die mitunter berührendste Musik.» Auch aus diesem Grund spielt Handschke bei Saltocello mit, einem Ensemble aus acht bis zwölf Cellisten und Cellistinnen aus der Klasse von Thomas Grossenbacher. Sie werden im Februar und März dreimal in der Schweiz auftreten.

    Auf die Frage nach «Ausgleich zur Musik» reagiert Handschke belustigt und irritiert: «Ich bin von Natur aus ein ausgeglichener Typ.» Im Sommer geniesst er Zeit am See, auf der Chinawiese, am Steg oder beim Fussballspielen, im Winter beim Fitnesstraining oder Skifahren. Er leitet über zum körperlichen Aspekt: «Im Gegensatz zum Klavierspiel, das grösstenteils über Impulse funktioniert, benötigen wir Cellisten Kraft in den Fingern. Auch Mobilität im Schulterbereich wirkt sich sehr positiv aus.»

    Die unter Cellisten häufig auftretenden Probleme mit überbeanspruchten Sehnen kennt er nicht: «Diese treten meist auf, wenn jemand zu viel übt. Doch ich übe eine Stelle nicht 30 Mal, wenn sie zuvor 25 Mal funktioniert hat. Ich habe zwar hohe Ansprüche, gebe mich aber auch relativ schnell zufrieden. Ich bin etwas mehr Geniesser als Perfektionist. Und diese Schwäche ist wohl gleichzeitig auch eine Stärke: Ich bin nicht so involviert wie andere, habe genug Distanz zu meinen Auftritten, bin trotzdem bei mir selbst und habe keine Probleme mit Nervosität. Ich kann mich gut konzentrieren, aber manche sagen mir nach, es mangele auf der visuellen Ebene bisweilen an Leidenschaft.»

    Zukunftsmusik

    Handschke will jetzt erst einmal in seiner neuen Lebensphase als Berufstätiger im Tonhalle-Orchester ankommen. Hierbei trägt ihn die Zuversicht, Kern und Aussage der Stücke zu verstehen und transportieren zu können. Und für die fernere Zukunft? «Ich kann mich für viele Ideen begeistern», sagt er. «Schön wäre, eines Tages im Orchester nach vorne zu rücken oder auch an einer Hochschule zu unterrichten. Mein Kindheitstraum war immer eine Solostelle beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.» Mit seinem entwaffnenden Charme fügt er lachend an: «Aber für das Tonhalle-Orchester stelle ich diesen Wunsch gerne hinten an!»

    Zu seinen aktuellen Lieblingsstücken gehören die Sonaten von Brahms, Schubert, der deutschen Romantik und den russischen Interpreten. «Diese Auswahl ist vermutlich altersbedingt – wenn man gerade ein paar Sachen über sich herausfindet …» Und zu gerne wüsste man, was den jungen Mann zum Jahreswechsel auf 2018, so kurz vor Studienende und dem Beginn seiner beruflichen Karriere, bewegt. Oder a bissl davon.

    Paul Handschke auf der Talentplattform des Migros-Kulturprozent

    Saint-Saëns Konzert, 2017

     

     


    P.Tchaikovsky: Rococo variations, 2016

     

     


    S. Rachmaninov: Sonata for Cello und Piano

  • I. Lento
  • II. Allegro scherzando
  • III. Andante
  • IV. Allegro mosso
  • Die zur Verfügung gestellten Bildmaterialen dürfen von Medienschaffenden unter Angaben der Quelle frei verwendet werden; ganz oder in Auszügen.